Wie die Französische Bulldogge entstanden ist…

 

 

„Eine Episode aus der Schöpfungsgeschichte“

 

 

Es war am fünften Schöpfungstage, so jedenfalls sagt es eine

 Legende und der Herrgott war gerade damit fertig geworden, die

 Tiere zu erschaffen.

 

Nur den Hund, den hatte er sich bis zum Schluss aufgehoben,

 weil Er gemerkt hatte, dass es gar nicht so einfach war, einen

 Hund zu erschaffen.

 

Schließlich sollte der Hund ja auch ganz besondere und

 vielseitige Aufgaben erfüllen: Er sollte den Menschen- wenn

 auch dieser dann seinen Platz auf der Erde gefunden hätte- auf

 allen Wegen begleiten, ihn schützen, ihm helfen, ihn erfreuen

 und erheitern. Selbst der Herrgott musste zugeben, dass es

 ziemlich viel war, was er beim Erschaffen dieses Tieres alles

 beachten musste.

  

Also blieb auch diesmal nichts anderes übrig, als so zu

 verfahren, wie es sich auch bei den anderen Tieren bewährt

 hatte.

  

Zuerst wurde ein Grundmodell hergestellt, das dann immer

 wieder, wenn der Herrgott es betrachtete und längere Zeit

 darüber nachgedacht hatte, noch ein wenig verändert wurde.

 

Während der Herrgott nun über den Hund nachdachte, hatte er

 aus einer Hand voll Lehm probeweise schon das eine oder

 andere Modell gefertigt.

 

Die standen nun auch überall herum- und weil der Herrgott

 erkannte, dass es auch ihm ganz unmöglich war, in nur einem

 Hund alles erforderliche zu vereinigen, beschloss er, dass es

 von diesem Tier eben ausnahmsweise einmal so viele Varianten

 geben solle, wie bei keinem anderen.

 

Also gab es nun große und kleine, langbeinige, kurzbeinige mit 

 hängenden oder stehenden, kleinen, mittleren oder großen 

 Ohren, langhaarige, struppige und kurzhaarige, rote, braune, 

 schwarze, graue, weiße, einfarbige, zweifarbige, dreifarbige, 

 gescheckte und gestromte….. 

Kurz alles, was sich ein Menschenherz überhaupt nur wünschen

 konnte.

 

 

Nun als der Herrgott mit Wohlwollen betrachtete, was da vor ihm

 aufgereit war, war er dann doch noch nicht ganz zufrieden….

 

So groß wie Kollektion auch war, etwas fehlte ihm, um das Ganze

 abzurunden.

 

Einen Hund wollte er noch schaffen, in dem sich Adel und Kraft,

 Mut aber auch Gutmütigkeit, Humor, Treue und Anhänglichkeit 

 vereinigen sollten. Dafür musste der dann eben auf den einen 

 oder anderen besonderen Vorzug der anderen Hunde

 verzichten.

 

 

 

Aus einer Hand voll Lehm entstand nun ein Hund, der in allen

 oben genannten Punkten dem Plan entsprach.

Dafür war er aber nicht besonders groß, noch besonders klein,

 hatte weder besonders langes oder besonders farbiges Fell-

 kurz, gerade deshalb war er schließlich, wie der Herrgott fand, 

 ein besonders schönes Exemplar geworden.

 

„Der ist mir besonders gut gelungen!“ sprach er daher.

 

„Ich will ihn vorerst beiseite stellen, bis er richtig getrocknet ist.

 So frisch und weich könnte er leicht zu Schaden kommen.“

 

Die Französische Bulldogge, denn um die handelte es sich, hatte

 das viele Lob sehr wohl gehört und trug deshalb den Kopf

 gewaltig hoch. Er blickte nicht etwa nur ein bisschen gönnerhaft

 in die Runde, sondern er konnte es sich einfach nicht verkneifen,

 sich bei den anderen Hunden grosszutun.

 

 

Kurz, er war ein richtiger, großspuriger Angeber und die  

kleineren Hunde fanden ihn auch „einfach nur toll“ und

 bewunderten ihn nach Leibeskräften.

   

Nicht so die GROSSEN.

 

Sie ärgerten sich über den Prahlhans, der weder ein

 Zentnergewicht war, noch schneller als der Wind, noch

 besonders schön- zwei Worte genügten: „Völlig unbedeutend“

 war er, fanden sie.

 

„Aufgeblasener Wichtigtuer“ murmelten sie knurrend, was noch

 vergleichsweise freundlich war. Zwischen ihrem Knurren und

 Zähnefletschen kamen noch ganz andere Ausdrücke vor, die

 man aber besser nicht wiederholen soll.

 

Plötzlich aber, noch eher der Herrgott überhaupt dazwischen

 gehen konnte, hatte es die Französische Bulldogge gründlich 

 satt.

 

Er sah rot und ehe die anderen Hunde es begriffen hatten, ging

 er voller Wut sofort und natürlich auf den allergrößten seiner

 Gegner los und biss so gewaltig zu, dass diesem Hören und

 Sehen verging.

 

In seiner Wut hatte die Französische Bulldogge wirklich

 überhaupt alle Vernunft über Bord geworfen und vor allem, er

 hatte völlig vergessen, dass besonders seine Schnauze noch

 nicht ganz trocken und daher noch- weich war. Wie schrecklich

 wurde die nun zugerichtet, als die Französische Bulldogge sich 

 nach Leibeskräften in seinem Gegner festbiss, überhaupt nicht 

 mehr loslassen konnte er in seinem Zorn!

 

Als der Herrgott ihn endlich von seinem Gegner fortgerissen 

 hatte, war es schon passiert: Die schöne, eben mäßige,

 mittellange Schnauze war breit gedrückt und erinnerte in

 beschämender weise etwas an ein Froschmaul.

 

Das war aber noch nicht alles: Das ganze zuvor noch so

 ebenmäßige Gesicht- das war nun in Zieharmonikafalten gelegt.

 

Als aber der Herrgott sah, was die Französische Bulldogge da

 angerichtet hatte, musste er erst ein bisschen lachen…

 

Dann aber wurde er nachdenklich und sagte so ernst, dass an

 Widerspruch überhaupt nicht zu denken war:

 

„Nun siehst du wirklich so aus, wie du nun einmal bist. Und weil

 du dich doch nicht mehr ändern wirst, gefällt es mir doch recht,

 wie du jetzt aussiehst, du sollst darum nun auch so bleiben bis

 an den jüngsten Tag.“

 

Sprach´s und stellte die Französische Bulldogge wieder zum

 Trocknen beiseite.

 

Weil dessen Wut nun verraucht war, blieb er auch gehorsam und

 geduldig so lange stehen, bis er restlos trocken geworden war

 und er sich zu den anderen Hunden gesellen durfte.

 

 

…aber nur, wer selbst keine Französische Bulldogge hat, meint,

 dies sei zwar hübsch, jedoch von vorne bis hinten erfunden. Alle

 anderen aber wissen nämlich genau, dass die Französische

 Bulldogge bis heute nicht vergessen konnte, was ihm einst

 geschah.

 

Begegnet er den kleinen Rassen, so ist er leutselig und

 freundlich- herablassend, denn die finden ihn immer noch

 „einfach ganz toll“.

 

Bei den größeren aber meint er jedes mal zu hören, dass die

 doch schon wieder 

                       

„aufgeblasener Wichtigtuer“ oder „Prahlhans“ zu ihm gesagt

 haben müssen- und sieht sofort wieder rot.

 

Weil aber die anderen Hunde ja nicht wissen können, was die

 Französische Bulldogge vielleicht gerade zu hören gemeint hat,

 tun vor allem die Großen bis zum heutigen Tage gut daran, wenn

 auch widerwillig, ihrer inneren Stimme zu folgen und sich

 beizeiten aus dem Staube zu machen.

 

Denn, wie schon bei seiner Erschaffung, neigt die Französische

 Bulldogge bis heute dazu, sich für größer und stärker zu halten,

 als sie in Wirklichkeit ist ;-)

 

 

Überarbeitet und umgeschrieben von Martina Stumpf....

 

vielen Dank an Frau Friedrerun Stockmann für die tolle Vorlage!!!!!!

 

Frei übersetzt…nach Friederun Stockmann